Mit welcher Ernährungsweise Dialyse-Patienten ihr Wohlbefinden steigern

von | 8. Dezember 2018

Die Rolle der Ernährung bei einer Dialyse

Bei einer Dialyse spielt die Ernährung eine besonders wichtige Rolle. Hierbei gibt es aber keine allgemeine Diät, welche für alle Dialyse-Patienten gleichermaßen geeignet wäre. Der Ernährungsplan muss für jeden Patienten individuell erarbeitet werden. Es gibt jedoch gewisse „Richtlinien“, an denen sich die Betroffenen orientieren sollten.

Was ist unter einer Dialyse zu verstehen und wann ist eine solche erforderlich?

Bei der Dialyse handelt es sich um eine künstliche Blutwäsche, welche bei unzureichend arbeitenden Nieren erforderlich wird. Die Betroffenen leiden hierbei unter einer sogenannten Niereninsuffizienz. Während der Behandlung wird das Blut durch eine Filtermembran geschickt, um giftige Stoffwechselprodukte zu eliminieren und Substanzen wie Kreatinin und Harnstoff mit dem Urin ausscheiden zu können. Dem Körper gehen während des Dialysevorgangs wichtige wasserlösliche Vitamine (vor allem Vitamine der Gruppe B, Vitamin C und Folsäure) verloren, da diese während der Dialyse aus dem Blut gefiltert werden.

Allgemeine Diätvorschriften

Durch die Beachtung von Diätrichtlinien können Betroffene ihre Lebensqualität sowie die Verträglichkeit der Dialysebehandlung nachweislich verbessern. Der Diätplan wird individuell für jeden Patient erarbeitet und sollte unter ärztlicher Verordnung und unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation angepasst werden. Darüber hinaus sollten sich die Betroffenen um eine Ernährungsberatung bemühen. Ein Patient mit Nierenschwäche sieht sich bereits vor Beginn der Dialyse mit Diätvorschriften konfrontiert. Ärzte empfehlen in dieser Phase eine eiweißarme Diät und eine erhöhte tägliche Flüssigkeitszufuhr. Für Patienten, die bereits mit der Dialyse begonnen haben, lauten die Empfehlungen jedoch meist gegenteilig.

Eiweißreiche Ernährung

Bei der Dialyse verliert der Körper Aminosäuren. Darüber hinaus werden vermehrt Eiweiße abgebaut. Aus diesem Grund sollten sich Dialyse-Patienten eiweißreich ernähren. Pro Kilogramm Körpergewicht wird eine Tageszufuhr von 1,2 bis 1,5 Gramm empfohlen. Aufgrund der gestörten Stoffwechsellage bei einer Harnvergiftung (Urämie) wird der Eiweißaufbau zudem negativ beeinträchtigt. Die Eiweißzufuhr sollte zu 2/3 biologisch hochwertiges Eiweiß aus Produkten wie Ei, Fisch, Fleisch und Milchprodukten enthalten. Dem Eiweißabbau wird ferner durch ausreichende Energiezufuhr entgegengewirkt (bei 75 Kilogramm Körpergewicht sind es täglich 2.100 bis 2.500 kcal). Der Anteil der Eiweiße als Energiequelle sollte etwa 10 bis 15%, der Kohlenhydrate 50% und der Fette etwa 35% betragen.

Phosphatarme Ernährung

Die Nierenschwäche lässt im Blut die Phosphatwerte ansteigen. Langfristig führt diese sogenannte Hyperphosphatämie zu einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen, zur Verkalkung von Gefäßen und der Ausdünnung der Knochen. Daher sollten sich Dialyse-Patienten phosphatarm ernähren, was nicht immer ganz einfach ist. Denn gerade Lebensmittel, die reich an Eiweiß sind, enthalten in der Regel viel Phosphat. Da für Betroffene jedoch eine ausreichende Energieversorgung sehr wichtig ist, lässt sich die Einnahme von Phosphat nur eingeschränkt reduzieren. Beachtet werden können allerdings folgende Punkte:

– Verzicht auf Schmelzkäse, da bei der Herstellung besonders viel Phosphat zugesetzt wird
– Einschränkung von Lebensmitteln, die von Natur aus viel Phosphat enthalten, wie z.B. Roggenvollkornbrot, Nüsse, Hülsenfrüchte, Hartkäse, Eigelb oder Leber
– Eiklar statt Eigelb als phosphatarme Eiweißquelle verwenden, etwa für Rührei, Aufläufe, Pfannkuchen o.ä.

– Einnahme von Phosphatbindern als Ergänzung zu den Mahlzeiten

Kaliumarme Ernährung

Die Nierenschwäche führt zu einem Rückgang der Urinausscheidungen und in der Folge zu einer Erhöhung des Kaliumspiegels im Blut. Zu viel Kalium lähmt die Muskeln, so dass die Hyperkaliämie zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen kann. Aus diesem Grund müssen die Betroffenen sehr streng auf die Kaliumzufuhr achten. Pro Tag sind maximal 2.000 mg Kalium erlaubt. Vermindern lässt sich die Kaliumaufnahme durch eine entsprechende Zubereitung von Speisen und durch gezielte Nahrungsmittelauswahl. Vermieden werden sollten folgende Nahrungsmittel:

– Kartoffelfertigprodukte, z.B. Püree, Knödel oder Chips
– getrocknete oder frische Pilze
– Aprikosen und Bananen
– Obst- und Gemüsesäfte
– Trockenobst
– Haferflocken und Müsli
– Nüsse

Zu beachten ist, dass Tiefkühlkost wesentlich weniger Kalium enthält als frische Nahrungsmittel. Auch Gemüse und Obst aus Konserven enthalten gegenüber frischen Produkten nur halb so viel Kalium. Zudem kann der Kaliumgehalt gut durch Wässern und Kochen gesenkt werden.

Salzarme Ernährung

Oftmals ist eine Begrenzung der Kochsalzzufuhr erforderlich. Zu viel Kochsalz im Blut führt zu einem vermehrten Durstgefühl, überschüssiger Flüssigkeit im Gewebe und zu erhöhtem Blutdruck. In der Folge steigt die Trinkmenge, was zu einer Überwässerung führen kann. Betroffene sollten im Rahmen ihrer Ernährung besser auf Gewürze und Kräuter statt auf Salze setzen. Stark gesalzene Lebensmittel wie Salzgurken, Laugenbrezen, Ketchup, Fertiggerichte, Salzstangen sowie gepökelte und geräucherte Fisch- und Fleischwaren sollten daher tabu sein.

Kontrollierte Flüssigkeitszufuhr

Steigt zwischen den Dialysen das Körpergewicht durch Wassereinlagerungen zu stark an, kann es zu Ödemen kommen, welche den Blutdruck stark steigen lassen und das Herz-Kreislaufsystem überlasten. Aus diesem Grund sind pro Tag maximal 500 bis 800ml Trinkflüssigkeit erlaubt. Die genaue Trinkmenge legt der Dialyse-Patient mit seinem Arzt fest. Grundsätzlich sollte die tägliche Gewichtszunahme nicht mehr als 0,5 bis 1 Kilogramm betragen. Auch der Wassergehalt in Nahrungsmitteln ist zusätzlich zu beachten, da etwa Joghurt, Pudding, Gemüse oder Obst zu mehr als 90% aus Wasser bestehen. Folgende Grundregeln helfen dem Durstgefühl entgegenzuwirken:

– saure Drops und kleine Zitronenstückchen lutschen

– Kaugummi ohne Zucker kauen
– süße Getränke meiden
– von salzigen Speisen absehen und Würzen statt Salzen
– Tees und Wasser als effektive Durstlöscher vorziehen
– frische statt überheizter Luft vorziehen

Autorin: Sophie Decker (freie Mitarbeiterin)